Beiträge von Aramis

    Ich hab grad wieder mal im Briefwechsel aus der Jugendzeit des Dichters Adelbert von Chamisso rumgelesen, und es ist echt rührend, wie er damals, als totaler Idealist und Gefühlsmensch durch und durch, seine (ebenso dichterisch tätigen) Freunde beschwor, ihn nicht zu vergessen und ihre freundschaftiche Verbindung zu ihm nicht abreißen zu lassen. Ich musste dabei, angesichts seiner damaligen Lebensumstände, irgendwie an Aramis denken - Chamisso war französischer Emigrant, Leutnant in einem preussischen Infanterieregiment, nebenbei aber Dichter aus Überzeugung und Mitglied des sogenannten "Nordsternbunds", einer jungen, aufstrebenden und einander zutiefst verbundenen Schriftstellerrunde, deren Mitglieder sich gegenseitig moralisch über Wasser hielten - das öde, militärische Leben widerte ihn total an, und er träumte von einem dichterischen Leben zusammen mit seinen Freunden, die er, bezeichnenderweise, seine "Brüder" nannte. Diese tiefe, freundschaftliche Ergebenheit ist bei Dumas also keine reine Fiktion, aber in Zeiten wie heute eher nicht mehr so en vogue, denk ich mal.

    @Alienor
    nein, war er eben nicht, obwohl sein Name so jüdisch klingt. Rosenberg stammte aus Reval im Baltikum, war glühender Antisemit, Herausgeber der NS-Parteizeitung "Der völkische Beobachter"und stieg unter Hitler zum Chefideologen der Nazis auf. Er wurde beim Nürnberger Prozess verurteilt und hingerichtet. Die Verbindung zu Spinoza ergab sich für den Autor des Buches dadurch, dass er damals die Spinoza-Bibliothek im Spinozamuseum in Rhijnsburg beschlagnahmt hat. Ich mag eher keine Romane, die nur äußerliche Actionszenen liefern - wenn ein Buch die Handlung jedoch von der psychologische Seite her aufrollt, wie in dem über diesen Rosenberg eben, dann bin ich meist fasziniert davon.

    @Alienor
    Die Briefe der Liselotte von der Pfalz sind sehr interessant, find ich - man erfährt da durch eine direkte, ungeschminkte Augenzeugin, wie`s bei Ludwig XIV. so zuging. Und sie konnte die bigotte Maintenon überhaupt nicht leiden! :thumbup:
    Eine Biografie von Dumas hab ich noch nicht gelesen, aber du hast recht, die werd ich mir auf alle Fälle besorgen.
    Wie lange ich für ein Buch brauche, hängt u.a. davon ab, wieviel Zeit ich habe - wenn`s spannend ist, hocke ich halt den ganzen Abend über auf dem Sofa und lese und lese, bis ich auf der letzten Seite bin, vorher kann ich nicht zu Bett gehen. Für das letzte Buch über Spinoza/Rosenberg hab ich 2 solche Sessions gebraucht, eine für den Spinoza-Teil und eine für Rosenberg. Beim Bücherkauf bin ich ziemlich wählerisch geworden - wenn der Titel oder die Inhaltsangabe mich nicht ansprechen, schau ich gleich gar nicht erst rein; ein Buch im Buchgeschäft muss mich also mit was ködern, was meine Aufmerksamkeit weckt - so ging es mir z.B. bei Donna Leons "Himmlischen Juwelen", da war Barockmusik der Köder. Dieses Buch musste ich auch auf einen Sitz auslesen. Besonders gerne lese ich ein Buch, das mir zusätzlich zu meinen Vorlieben auch etwas Interessantes zu präsentieren weiß, das ich bisher noch nicht kannte, wie z.B. letztens über den Naziideologen Alfred Rosenberg - mir war der Name so gut wie kein Begriff, und Romane, die in der NS-Zeit oder im 2. Weltkrieg spielen, interessierten mich auch nicht, bisher. Aber dieses Buch hatte mein Interesse geweckt, und ich hab dann über ihn mal auf Wikipedia nachgelesen.

    @Alienor
    Ich kann mich jetzt an kein Buch erinnern, wo ich den Schluss zuerst gelesen hätt - irgendwie scheint mir das nicht zu liegen. Ich überblättere beim Lesen schon mal gerne ein paar Seiten, wenn ichs grad zu langatmig find, aber ich bleibe dabei grundsätzlich in der Richtung von vorne nach hinten. Nur wenn ich Briefliteratur oder Tagebücher lese, springe ich rum und halte mich nicht an die chronologische Reihenfolge. Briefe und Tagebücher haben für mich grundsätzlich was Faszinierendes. E.T.A.Hoffmanns Erzählungen, beispielsweise, wären mir ohne seine Briefe und Tagebuchaufzeichnungen viel unverständlicher geblieben. Biografien über klassische Autoren lese ich aus diesem Grund auch gern, da erfährt man doch einiges darüber, was die Leute dazu antrieb, ihre Werke so und nicht anders zu schreiben. Und ein Buch ergibt dann bei mir oft das andere - oder auch das bibliografische Werkverzeichnis hinten drin. Seltsamerweise besitze ich mehr Biografien über Dichter und Schriftsteller als über Musiker, die mich, vom Job her, eher interessieren sollten -

    @Alienor
    Ach ja, du hast vorhin erwähnt, dass du aus Neugier gerne den Schluss am Anfang liest, also von hinten nach vorn ;) - das versuch ich meistens zu vermeiden, vor allem bei Kriminalromanen. Ich bin eher keine Querbeetleserin, halte mich (manchmal zu) brav an die Vorgaben des Autors. Hm - etwa unbewusste Autoritätshörigkeit?? Ausnahme: Das letzte Buch, dass ich gelesen hab, hab ich diagonal gelesen, das war der Roman "Das Spinoza-Problem", in dem der Autor, Irvin D. Yalom, Spinozas Lebensgeschichte mit der des Nazi-Ideologen Alfred Rosenberg verknüpft - da hab ich alle Kapitel, in denen es um Spinoza ging, zuerst gelesen, und dann erst alle, die Rosenberg betrafen. Das war ziemlich abartig, verglichen mit meiner normalen Gewohnheit, ein Buch von vorn nach hinten zu lesen.

    @Alienor
    Ja, ich hab ebenfalls ein paar Bücher, die ich immer wieder lesen könnt, und die 3 Musketiere gehören für mich auch dazu. Leider gibt es in meiner Nähe keine gute Leihbibliothek, das ist der Nachteil, wenn man auf dem Land wohnt. Ich hab daher schon Geld in den Kauf von Büchern reingesteckt, die ich dann wieder rausgeschmissen hab, wegen hochgradiger Entrüstung. Ich halte miese Machwerke irgendwie in meiner "Bibliothek" nicht aus, was mir nicht gefällt, fliegt wieder raus - schon sehr peinlich, das zu sagen, aber ich kann nur mit Büchern zusammenleben, die mir auch gefallen! :love:
    Iny Lorentz sagt mir was - ich hab die Kastratin von ihr durchgehechelt und sie sofort entsorgt. Und die Wanderhure hat mich schon vom Titel her total abgestoßen, daher Leseverweigerung meinerseits X(

    Der Briefwechsel mit Alienor hat mich auf dieses Thema gebracht - ich hoff mal, hier ist der richtige Ort dafür -
    Wer sich mit den Romanen von Dumas beschäftigt, wird ja mit Sicherheit kein Lesemuffel sein - gehört Lesen für euch auch zum Leben wie Essen und Trinken? Verschlingt ihr Bücher gleichsam von vorn bis hinten auf einen Sitz wie ich, wenn sie euch total faszinieren? Oder lest ihr eher querbeet zuerst mal das, was euch primär an einem Buch interessiert? Lest ihr auch fremdsprachig, oder in erster Linie auf Deutsch? Habt ihr vielleicht auch schon mal, wie ich, ein Buch zornentbrannt ins Ofenfeuer geschmissen, wenn ihr über das scheußliche Machwerk total entrüstet wart? Okay, ich gebs zu, diese Reaktion war schon sehr überspitzt and over the edge - :whistling: Ich hab das auch nur einmal gemacht, bisher -

    AstridB
    Ach ja, natürlich, es war nicht der erste Leopold, sondern der dritte! Wie dumm von mir - naja, die Babenberger sind nicht gerade mein Spezialgebiet.
    Den Namen der Rose hab ich gelesen, und die Erwähnung von Melk in Zusammenhang mit Adson ist mir aufgefallen. Ein sehr großes Benediktinerstift in der Wachau an der Donau, Weltkulturerbe mit allem Drum und Dran und jedes Jahr von Touristensströmen heimgesucht. Das kostbarste Stück der dortigen Schatzkammer ist das sogenannte Melker Kreuz - da ranken sich auch einige Sagen drum herum.
    http://www.oeaw.ac.at/kunst/projekte…er_kreuz_g.html

    @ Kaloubet
    O ja, das Bild von Alienor! :pinch: Na gut, das ist wohl doch etwas zu stark! Okay, dann eine Tetrapackung französischen Rotwein, wie du vorschlägst, die kann man wenigstens nicht unmerklich vergiften, mit ihrem Originalverschluss. Der Slibowitz ist voll gemein, ich weiß - typisch Österreich! Der andauernd schnapsbesoffene Gefängniswärter Frosch im 3. Akt der "Fledermaus" von Johann Strauß hat mich wohl drauf gebracht, glaub ich -

    @Alienor
    Ja, Athos könnte bei seiner altmodischen Ritterlichkeit und Ehrenhaftigkeit durchaus auch eine Hang zum Okkulten haben, glaub ich. Seiner Freundschaft für die anderen 3 tut das aber offensichtlich keinen Abbruch. Ich denke, Athos`Freundschaftsempfinden ist sowas wie eine fixe Größe - es ist einfach unbegrenzt vorhanden, egal, welche Ansichten seine Freunde vertreten. Das ist heute, glaub ich, nicht sehr en vogue - Freundschaft heute beruht meist auf gemeinsamen Meinungen oder Zielen, und wenn diese Ansichten mal divergieren, dann wird auch die Freundschaft sofort aufgekündigt. Athos`Freundschaftsgefühl steht über sowas eindeutig drüber, er braucht niemanden zum Anklammern oder zur Bestätigung seines Egos - seine Form der Freundschaft erfordert wohl ein ziemlich hohes Maß an geistiger Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein.

    @Alienor
    Also bezüglich der Zeit zwischen den VAA und dem VDB bin ich jetzt auch überfragt - darüber könnte Kaloubet genau Bescheid wissen, nehme ich an.
    Ja, ich glaube auch, dass der Mord an Mylady u.a. auch sowas wie eine Kurzschlusshandlung der Freunde war - Athos hatte jedenfalls hinterher, in den VAA, Bedenken, ob er richtig gehandelt hatte. Er war ja auch die treibende Kraft, bei dem Ganzen, und hat seine Freunde da mit reingezogen.

    AstridB
    Der Hl. Leopold ist der niederösterreichische Landespatron, und ja, sein Festtag ist der 15.11., da haben alle Schulen in Wien und Niederösterreich schulfrei.
    Der Legende nach war der Babenberger Herzog Leopold I. mit seiner Frau im Wienerwald auf der Jagd, und sie verlor dabei unglücklicherweise ihren Schleier - dieser wurde dann nach 1(?) Jahr völlig unversehrt im Wald wieder aufgefunden, da musste eindeutig Gott dahinterstecken, und so ließ Leopold an der Stelle, wo der Schleier gefunden wurde, das Stift Klosterneuburg errichten. http://de.wikipedia.org/wiki/Klosterneuburger_Altar
    Das Stift beherbergt auch den berühmten Verduner Altar mit dem Reliquienschrein Herzog Leopolds I. oben drauf.

    @Alienor
    Ja, als Mordaunt auftaucht und einer der 4 Freunde, ich weiß jetzt nicht, welcher, ungehalten sagt, es wäre ja wirklich feige, vor einem Kind zu zittern, sagt Athos: "Ja, aber dieses Kind kommt im Namen Gottes!" Das zeigt, dass er den Mord an Mylady nicht verdaut hat und mit später Strafe rechnet. Als Mordaunt dann den Henker von Lille tötet, schweißt das die vier aber wiederum stärker zusammen: Endlich gibt es einen neuen gemeinsamen Feind, den sie zusammen bekämpfen können! Vorher standen sie ja in gegnerischen Lagern. Dass Myladys Hinrichtung der Freundschaft der Musketiere geschadet hat, scheint mir sehr plausibel. Sie hatten sich alle miteinander zu Mördern gemacht, auch wenn sie dachten, gerecht gehandelt zu haben.

    @Alienor
    Ja, genau, das Versteck im Gänsestall wars! Na, der arme Martin, nirgendwo hatte er seine Ruhe -
    Das nächste Kirchenfest, das bei uns ansteht, ist Leopoldi, benannt nach unserem Landespatron in Niederösterreich, dem heiligen Babenberger Leopold I. - da wird zwar nix Besonderes gegessen, aber in Klosterneuburg, dem von ihm gegründeten Stift unweit von Wien, gibts zur Belustigung das berühmte "Fasslrutschen"
    http://www.stift-klosterneuburg.at/presse/bildarchiv/

    Hm, ich denke, eine solch intensive, geistige Seelenverwandtschaft, wie Michel de Montaigne sie beschreibt, hatten die 4 Musketiere nicht, untereinander. Dafür waren sie charakterlich wohl zu verschieden. Ihre Freundschaft und Loyalität einander gegenüber muss andere Wurzeln haben. Bei Athos glaube ich, dass er das Ideal einer Freundschaft anstrebte, die auch gegensätzliche Anschauungen und konträre Ziele hochgesinnt überbrücken kann - das hat er m. E. in den VAA bewiesen, als er die bewaffnete Konfrontation zwischen Aramis und D`Artagnan sofort unterbunden hat, mit dem Schwur, niemals seinen Degen gegen seine Freunde zu erheben. Die anderen drei folgen seinem Beispiel, und durch seine Großherzigkeit ist ihr Freundschaftbund gerettet, obwohl sie sich als Frondeure und Mazarin-Anhänger in gegnerischen Lagern befinden. Für mich ist das eine der steilsten Szenen, im Roman.

    @Alienor
    Jaaa, Dosenbier für D`Artagnan! Das würd gut zu ihm passen! :thumbup: Und das billigste natürlich! Und hinterher dann noch einen Schluck ebenso billigen Fuselschnaps aus der Flasche, harhar! :pinch:
    Bei Champagner für Porthos kenn ich mich leider überhaupt nicht aus, lebe ja im österreichischen Hinterwald -
    "Sex on the beach"? Was ist denn da drin?? Für Aramis sind bunte Cocktails vielleicht schon ein wenig zu sehr coloriert - hm, eher die weniger farbenfrohen, "White Lady" oder so? Immerhin hat er ja eine klerikale Erziehung genossen, so dunkelgrau bis schwarz - andererseits, beim Urlaub auf Teneriffa o.ä. - oder ist das BunteCocktailsSchlürfen jetzt eine Übersprungshandlung?
    Ja, für Athos Cognac und Burgunder vom Feinsten - bei hochwertigem Alkohol kennt er sich ja schließlich aus. ^^

    Armand de Rochefort
    Meine Abneigung gegenüber Kleintieren beruht wohl auch darauf, dass ich die Tiere, die ich wirklich wollte, also ein Pony und einen Hund, als Kind nicht haben durfte. Also war da immer eine unterschwellige Aversion mit dabei, die dann wohl auch dazu beigetragen hat, diese gewissen, schon geschilderten Katastrophen heraufzubeschwören. Zwischen dir und deinem Meerschweinchen war die Beziehung sicher eine ganz andere, nachdem du es ja aus schlechter Haltung gerettet hast.