@Alienor
Danke, dass du diesen Punkt erwähnt hast: Athos` und Aramis` intimes Verhältnis zur Chevreuse, und dass dies ihrer Freundschaft laut Dumas keinen Abbruch tat. Das kommt mir auch ein wenig spanisch vor. Und es gibt hier ja auch in der FF-Abteilung eine sehr gute Geschichte, die dieses Dreiecksverhältnis und Aramis` unverhoffte Erkenntnis, wer Raouls Mutter und Vater sind, und seine heftige Reaktion darauf einfühlsam und anschaulich schildert. Ich weiß jetzt dazu nur aus den VAA, dass die Beziehung zwischen Aramis und der Chevreuse geraume Zeit passé ist (seit wie lange weiß ich allerdings nicht, ich glaube, das geht auch nicht so klar hervor), und die beiden sich überraschend beim Dichter Scarron im Beisein von Athos und Raoul wieder treffen und anscheinend, soweit ich das verstanden hab, einander nicht viel zu sagen haben. Aramis ist da bereits mit Madame de Longueville liiert.
Beiträge von Aramis
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kaloubet
Pastis? Ist das dieser Schnaps, den man aus Anis macht? hab ich leider noch nie gekostet -Hm, wenn wir schon beim Trinken sind, könnten wir dann vielleicht mal, wenn ihr einverstanden seid, zum Essen übergehen? Es gibt ja da bekanntlich diese Vollwertkost, mit Vollkornbrot, Dinkellaibchen, Grünkernaufstrich, Heumilchjoghurt, alles bio - würd das zu einem unserer Musketiere passen? Oder wär einer davon vielleicht sogar überzeugter Vegetarier oder Veganer? Die können ziemlich kämpferisch und militant sein - ich seh das an meiner Tochter -

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Der Advent beginnt bei uns in Österreich sozusagen am 15. November, mit Punschstandeln, Flitterkram, Weihnachtsramsch etc. in den Supermärkten, und ab dem 1. Dezember dann die Adventmärkte mit Ringelspiel, Weihnachtsdekoration, Lebkuchen, Christbäumen, Weihnachtsmännern et cetera. Ich glaub, einer der größten Märkte ist der in Wien am Rathausplatz. Ich find diesen ganzen Rummel ziemlich nervig, irgendwie vergeht mir da total die Lust, wenn man mir ein Fest so intensiv reindrücken will. Als Kind empfand ich Weihnachten viel geheimnisvoller und romantischer, weil man da vorher nicht viel davon sah. Der tiefverschneite Winterwald und der Adventkranz mussten damals genügen, als Stimulans - und der Geruch von Omas selbstgebackenen Keksen.
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Ich denke, eine Freundschaft zwischen Leuten solch unterschiedlicher Wesensmerkmale braucht eine sehr hohe Toleranzbereitschaft und Anerkennung menschlicher Werte. Man neigt ja irgendwie dazu, nur solchen Leuten freundschaftliche Gefühle entgegenzubringen, die das eigene Ego brav spiegeln und damit verstärken - also eine lebende Kulisse für die eigenen Aktivitäten abgeben. Solche Leute waren naturgemäß aber für Dumas` 3 Musketiere unbrauchbar, weil zu nichtssagend. Einen Freundschaftsbund à quatre darzustellen, wo alle gleich sind, gleiche Charaktereigenschaften haben und gleichermaßen handeln, ist ja wohl urfad. Die Musketiere wirken eben grade durch ihre Verschiedenheit so interessant. Dass sie trotzdem untereinander intim befreundet sind, ist, glaub ich, bis heute das Faszinierende daran. Eine Freundschaft, die sich nicht über gleiche Ansichten und Interessen definiert, sondern charakterlichen Gegensätzen standhält, ist heutezutage ziemlich selten, kommt mir vor.
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Am faszinierendsten haben auf mich oft Bücher gewirkt, die unverhofft ein Problem behandelten, das mich schon lange genervt hat. Solche Bücherbegegnungen sind meist total überraschend und man hat gar nicht damit gerechnet. Sowas hab ich z.B. mit E.T.A. Hoffmanns Erzählung "Klein Zaches genannt Zinnober" erlebt - diese Geschichte handelt, formal als Märchen getarnt, von einem größenwahnsinnigen,idiotischen Zwerg, dem der Zauber einer guten Fee die Macht verleiht, die Leistungen und Erfolge anderer Leute gleichsam zu "klauen" und dafür öffentliche Ehre und Anerkennung einzuheimsen - ein sehr brisantes Thema, in Zeiten wie heute, wo Profiling, Leistungsschinderei und Mobbing an der Tagesorgnung sind! In Hoffmanns Erzählung bringt der schamlose Zwerg es mit diesen Methoden schließlich bis zum Staatsminister und Ordensträger, aber die von ihm Gemobbten rächen sich mit Hilfe des Großen Magiers Alpanus - so einen Zauberer könnt ich auch gut brauchen!
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@ Alienor
Ich glaub, auf ein wirklich gutes Buch zu stoßen, ist ein ähnlicher Glücksfall, wie einen klugen Menschen mit Verstand und Gefühl zu treffen -
Oh, schon so spät, die Schule ruft - ich wünsch dir noch einen schönen Tag! -
Wenn ich auf Amazon nach einem Buch suche, und es gibt dazu Bewertungen, schaue ich mir die meistens schon an - ich hab aber auch schon erlebt, dass Leute offenbar mit einem Buch nichts anfangen konnten, das mir dagegen sehr gut gefiel. Ich hab mir daher angewöhnt, diesen Bewertungen nicht zuviel Aussagekraft beizumessen. Inhaltsangaben interessieren mich immer, die lese ich auch als erstes, wenn mich ein Buchtitel irgendwie anspricht. Beim Lesen selbst gibts dann entweder dieses gewisse Erlebnis, dass mich ein Buch sofort in seiner Bann zieht und ich es nicht mehr weglegen kann, oder ich stoße auf eine Barriere, die mich abstößt - das Gefühl ist ähnlich wie Sympathie und Antipathie. Beim Lesen tritt man ja sozusagen in Kontakt mit den Ansichten, Gedanken und Gefühlen des Autors. Wenn die pervers sind, dann kann mich das genauso aufregen, als hätte er direkt mit mir gesprochen.
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@Alienor
In diesem Buch gehts sozusagen um die Beziehung gewisser französischer Maler des 19.Jh. zu ihrer sogenannten "Muse", die sich u.a. in den verschiedenen Frauen verkörpert, die diese Maler gemalt haben - und wenn sich das zur Besessenheit entwickelt, kann das, wie bei Van Gogh, gefährliche Dimensionen annehmen. Dabei spielt auch eine Rolle, dass Farben manchmal Giftstoffe enthielten, wie z.B. Bleiweiß, die u.a. zu Halluzinationen führten, wenn man als Maler täglich Kontakt mit ihnen hatte. Die Geschichte ist also eine raffinierte Mischung aus Fantasie und Realität. Ich kann diese ungewöhnliche Story echt nicht gut wiedergeben, ich treff das Eigentliche nicht wirklich - der Stil ist jedenfalls eine Mischung aus sarkastischer Ironie und ernstem Hintergrund und sehr anregend zu lesen.
Suchst du eigentlich Bücher auch nach diesen gewissen Kundenbewertungen (z.B. die Sternchen bei Amazon) nach aus, oder sind solche Bewertungen für dich nicht maßgebend? -
@duchesse
Danke für deine Info hinsichtlich dieses gewissen Artikels! Ich glaube, in einem Thread hier wurde mal erwähnt, dass man diesen 4 Grundtypen bestimmte Farben zuordnen kann. Denken war z.B. blau, glaub ich, und Fühlen rot - ich hab das jetzt leider nicht mehr genau in Erinnerung -
@Astrid
Das wär sehr interessant zu verfolgen, wie sich das Verhalten von Kindern bezüglich ihrer Freundschaften über die Pubertät bis zur Adoleszenz hin wandelt. Hast du da was darüber gelesen? -
@ Alienor & Rochefort
Bei den Frauen kann man, glaube ich, grundsätzlich 2 Charaktere unterscheiden: 1. die geschminkte, angepasste Tusse auf Männerfang, die alles tut, um ihren bevorzugten Traummann und Ernährer rumzukriegen, und bei der die Freundschaft dort endet, wo ihr Vorteil aufhört, und 2. die unabhängige, eigenverantwortliche Frau, die sich keinem gendermäßigen Diktat unterwirft und es daher in dieser unserer sexbesessenen Gesellschaft naturgemäß schwer hat, als Frau überhaupt anerkannt zu werden. Frauen werden in dieser unserer Gesellschaft immer noch zu Objekten erniedrigt, und dementsprechend bescheiden schätzt man auch ihre geistigen und sonstigen Fähigkeiten ein. Die typische Frauenrolle in Film und Belletristik ist immer noch die der arglistigen Verführerin oder der dummen Schlampe - die Rolle der wahrhaften Freundin und Seelenverwandten kommt da eher selten vor. -
Huch, ich fürchte, es rutscht schon wieder ab ins OT - daher meine Kehrtwendung zurück zum Thema:
Freundschaft existiert also offensichtlich auf verschieden hohen Levels - von reiner Zweckgemeinschaft bis zu höchster Seelenübereinstimmung. Warum sollte es Frauen eigentlich, laut entsprechender Klagen quer durch die Jahrhunderte, verwehrt sein, dieses höchste Niveau der Freundschaft zu einem Mann und/oder einer Frau zu erklimmen? Konkurrenzneid um das wohlgefüllte männliche Bankkonto?? Angst vor dem Schwangerwerden?? -
Tja, heute ist es mir wieder passiert, ein Buch hat mich gleichsam aus dem Hinterhalt überfallen: Christopher Moore, "Sacré bleu" - ein neu erschienener Roman über den Maler Vincent van Gogh und seinen mysteriösen Selbstmord - echt gut , muss ich sagen, und ich fühle mich irgendwie gezwungen, dem Autor ohne Querbeetleserei zu folgen, um seinen Intentionen gerecht zu werden -
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@Alienor
Die Ausrüstung für La Rochelle dürfte ihm Madame de Chevreuse gesponsert haben, dem Roman nach zu urteilen - aber das eine schließt ja das andere nicht aus. Und in den VAA verkauft Aramis ja auch, sozusagen ghostwritermäßig, brillant formulierte Predigten an Mitbrüder, die als glänzende Redner gelten wollen
Ich glaube, Dumas wollte demonstrieren, dass Aramis, im Gegensatz zu D´Artagnan, zu den Leuten gehörte, die grundsätzlich immer mehr als ein Eisen im Feuer haben - -
@Alienor
Ich denke, dass Aramis in der Tat einen Verleger hatte und dass das nicht nur reine Camouflage seinerseits war - das wär ja auch ein wenig unnatürlich, bei seiner künstlerischen Eitelkeit, wenn er nicht versucht hätte, seine Gedichte zu veröffentlichen. In den VAA verkehrt er ja auch im Salon bei Scarron - und allein über Mundpropaganda setzen sich dichterische Talentproben wohl nicht so gut fort. Nein, ich glaube, ein richtiger Dichter will sich auch gedruckt sehen und Geld dafür einheimsen
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@Alienor
Ja, Bücher sind wie gute Freunde!
Und ja, wenn ich auf solche Bücher stieß, dann war natürlich für die weniger guten bei mir der Ofen aus. Bei Christa Wolfs Novelle spielte dann auch noch die Tatsache mit, dass es da um eine literarische Epoche geht, die mich fasziniert, nämlich die deutsche Frühromantik, und 2 Dichter im Mittelpunkt stehen, die beide durch Selbstmord starben: Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode. Die Autorin hat diese beiden historischen Persönlichkeiten und ihr Scheitern an ihrer Umwelt total feinfühlig und kongenial miteinander verbunden. -
@Alienor
Oh, ja!! Bitte schreib die!
Ich bin die erste, die sie auf der Stelle liest und dir begeistert Reviews dazu schreibt! Wegen dieser Almanache - vielleicht bekommt man sie noch in Antiquariaten wie z.B. beim zvab? Dort gibts manchmal die abstrusesten Dinge -
Armand de Rochefort
Ja, wie du sagst, dieses vorbehaltslose Akzeptieren, der gegenseitige Respekt und die absolut verlässliche Treue - das gehört wohl zu den höchsten Aspekten echter, wahrer Freundschaft! Und ich finde es toll, dass du da auch die Tiere nicht davon ausschließt! Das würd dem Schopenhauer, philosophisch betrachtet, jetzt sicher gefallen - der liebte ja auch seinen Hund über alles! Dass man dieses Idealbild nicht immer verwirklichen kann, gehört leider zu den Schwächen der menschlichen Natur - aber eine Freundschaft, die auch Krisen auszuhalten imstande ist, kann sicher zu den festesten und stärksten gezählt werden. -
Armand de Rochefort
Ja, du hast eindeutig recht, ein Tier darf niemals bloß eine Ersatzbefriedigung sein. Da wärs besser gewesen, meine Eltern hätten mir Reitstunden gezahlt. Ach ja, wie bist du denn erstmalig zum Reiten gekommen? Bei mir wars wieder mal so eine typisch frustrierende Geschichte:
Als ich 12 war, hatte ich es endlich geschafft: Meine Eltern versprachen mir, im damaligen, 2-wöchigen Sommerurlaub in der Ramsau einen Reitkurs machen zu dürfen - na, du kannst dir denken, wie nervös und aufgeregt ich war und die ganze Nacht vor der Abfahrt in den Urlaub kein Auge zutun konnte, vor lauter Enthusiasmus! Der wurde dann natürlich, am Urlaubsort angekommen, sofort empfindlich enttäuscht, weil der Reitkurs in der 1. Woche schon ausgebucht war, und ich daher, in endloser, qualvoller Tortur, auf die 2. Woche warten musste. Dann gabs endlich Reiten, auf dem Sandplatz des Reiterhofs, immer im Kreis rum, in Schritt und Trab, ohne dass einem irgendwer irgendwas dazu erklärte; ich bekam einen kleinen, mickrigen Haflinger zugeteilt und war furchtbar neidisch auf meinen Cousin, der, obwohl er gar nicht reiten lernen wollte, einen sehr schönen, schwarzen Ponywallach
bekam - der Haflinger war natürlich, als typisches Schul-und Anfängerpferd, mit allen Wassern gewaschen, und schnitt immer die Ecken ab, beim Abteilungsreiten, und ich zog und zerrte hilflos an den Zügeln, ohne auch nur einen Funken Einblick in die Kunst des Reitens zu erhalten
-naja, wenigstens bin ich nicht von ihm runtergesegelt, dafür war mein Enthusiasmus einfach viel zu groß. -
@Alienor
Weil du vorhin gesagt hast, es gäbe, außer die Musketierromane, in deinem Besitz noch ein paar Bücher, die du immer wieder liest: Ich hatte da vor Jahren mal, eher zufällig, ein Buch von Christa Wolf gekauft, mit dem seltsamen Titel "Kein Ort. Nirgends." (das war für mich auch der Köder), und als ich es zu ersten Mal las, war ich total gebannt und wie von den Socken, angesichts des fulminanten, psychologisierenden Schreibstils. Ich hatte den Eindruck, die geheimsten Gedanken und unbewussten, verdrängten Gefühle der Protagonisten mitzuvergfolgen, in beständigem, lebendigen Fluss, es war wie hypnotisierend. Ich habe ein Buch in solch faszinierendem, zwingendem Sprachstil später nie wieder gefunden. Auch das andere Buch, das ich geraume Zeit vorher von dieser Autorin gelesen hatte, konnte mich nicht so beeindrucken wie dieses. Und ich habs mehrer Male lesen müssen, bis ich die ganze emotionale Bandbreite, die da drinsteckt, halbwegs begriffen hatte. -
@Alienor
Dieser Nordsternbund war klein aber fein und gab regelmäßig einen Almanach mit brandneuen Gedichten und sonstigen schriftstellerischen Arbeiten heraus - also das literarische Sprachrohr der Gruppe, vergleichbar mit dieser Internetseite hier ;). Mitglieder waren u.a. Karl August von Varnhagen, Wilhelm Neumann, ein junger Mann mit dem Pseudonym "Neander", David Koreff usw., und sie hielten auch Verbindung zu Baron & Baronesse Fouqué, beide mit Ritterromanen u.ä. als typisch romantische Schriftsteller tätig (die Baronesse unter dem hübschen Pseudonym "Selena"
). Der Baron war ebenfalls beim Militär, und von dort kannte ihn Chamisso wahrscheinlich. Dann noch Eduard Hitzig, als Verleger und Buchhändler.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nordsternbund
Dieser Chamisso war, besonders als junger Mann, sehr charmant und gutaussehend, und er gefiel den Frauen - ebenfalls eine Paralle zu Aramis ;). -
Goethe hat eine interessante Aussage über seine Lesegewohnheiten von sich gegeben:
ZitatIch lese von Molière alle Jahr einige Stücke, so, wie ich auch von Zeit zu Zeit die Kupfer(stiche) nach den großen italienischen Meistern betrachte. Denn wir kleinen Menschen sind nicht fähig, die Größe solcher Dinge in uns zu bewahren, und wir müssen daher von Zeit zu Zeit immer dahin zurückkehren, um solche Eindrücke in uns aufzufrischen.
Goethe, Gespräche mit EckermannIch find diese Selbstbeobachtung Goethes total interessant - mir gehts auch so, dass ich gewisse beeindruckende Bücher immer mal wieder zur Hand nehme, wogegen ich andere, nicht beeindruckende, nach dem ersten Durchlesen weglege und so gut wie nie mehr aufschlage. Das ist für mich irgendwie ein Gradmesser für die Qualität eines Werkes - wenn ich mich davon angezogen fühle, habe ich auch das Bedürfnis, mich immer wieder mal damit zu beschäftigen, um "meine Eindrücke aufzufrischen" oder neue hinzu zu gewinnen. Das geht mir oft so, dass ich beim ersten Durchlesen eines interessanten, komplexen Buches gar nicht alles sofort voll erfassen kann, was da in und zwischen den Zeilen verpackt ist -