Ich, d'Artagnan

  • Hallo zusammen,


    ich weiß ja nicht, ob's hier rein paßt, aber die Anmerkungen der englischen Musketiere haben mich dazu gebracht, nach den Memoiren zu suchen. So ist mir ein Band aus dem ATV (das ist der mit den vielen Kürzungen!) in die Hände gefallen, wobei auch hier 3 Bücher zu einem verschmolzen sind.


    Übers WE habe ich dennoch diese gekürzte Fassung verschlungen. Lt. Übersetzer wurden wohl nur die Teile weggelassen, die mit d'Artagnan gar nichts zu tun haben. Jetzt meine Frage dazu: Kennt jemand 'ne vollständige Ausgabe? Gibts das auf deutsch? Sind da tatsächlich lange, "langweilige" Passagen drin?


    Im Englischen sind es wohl 3 Bücher, das war mir aber erstmal zu teuer.


    Interessant fand ich, die Ähnlichkeiten und gleichzeitig die Unterschiede zu Dumas Romanen.


    Viele Grüße
    Astrid

    "Es heißt, jedermann soll seinen Preis haben, Gebieter. Manche dieser Preise sind jedoch zu hoch, als daß irgendwer sie zu entrichten vermöchte."
    "Und dein Preis ist so hoch?"
    "Hoch genug, daß niemand außer Euch ihn je zahlen könnte, mein König"

  • ich kenne dieses buch zwar dem titel nach, aber (noch) nicht genauer. würdest du mal kurz berichten, um was es da geht? um d'artagnans leben von anfang bis ende? um seine zeit bei den musketieren? und inwieweit entspricht es der realität? kann man davon ausgehen, dass relativ wenig dazuerfunden ist oder nicht?
    danke!

  • Bergfee : was mich daran gereizt hat, ist, daß es ein zeitgenössischer Bericht ist. Interessant ist eben auch dieses Zusammenspiel zwischen den gleichen Inhalten und den Unterschieden.


    Erzählt wird das Leben d'Artagnan's ab seiner Reise nach Paris (er trifft in St. Dyé auf Rosnai, wird niedergeknüppelt und danach fehlt das berühmte Empfehlungsschreiben). Bei M. de Tréville trifft er Porthos, einen Nachbarn aus der Gascogne. Es gibt diesen Kampf mit Jussac, Biscarat, Cahusac, d'Artagnan's Gegner heißt Bernajoux. Die Audienz beim König und Geld kriegt er auch noch, Die Geschichte im Ballspielhaus wird beschrieben. Sogar das goldene Wehrgehänge beschreibt Courtils de Sandras, allerdings mit anderen Personen.


    Im Gegenzug gibt's viel mehr Liebeshändel! Zwischen Mätresse, Heirats-absichten und tatsächlicher Ehe gibt's alles außer Bordellen. Ach ja, d'Artagnan stand auf verheiratete Frauen.


    Die Schlachten stimmen natürlich nicht überein, da Dumas die Ereignisse vorverlegt hat, aber d'Artagnan kundschaftet eine andere Stellung in ähnlicher Art aus wie vor La Rochelle und wird bei seiner Rückkehr nach Paris zum Musketier.


    Reizvoll ist für mich der Hintergrund, der bei Dumas manchmal unlogisch erscheint, das scheinen Stellen zu sein, an denen er auf die Memoiren zurückkommt. Z.b. die Freundschaft mit Besmaux, wird bei Dumas im 3. Band erwähnt, besteht aus der gemeinsamen Zeit in der Garde des M. des Essarts. Auch sein Verhältnis zu Mazarin und warum er sich von dem so kurz halten läßt (er hat keine Alternative: kein Geld und es gibt keine Musketiere).


    Der echte d'Artagnan hat durchaus auch bekanntschaft mit dem Chatelet und der Bastille gemacht. In der Bastille war er als vermeintlicher Spion und später als Kerkermeister für Fouquet.


    Beantwortet das deine Frage?


    Viele Grüße
    Astrid

    "Es heißt, jedermann soll seinen Preis haben, Gebieter. Manche dieser Preise sind jedoch zu hoch, als daß irgendwer sie zu entrichten vermöchte."
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  • @astrid: ja, das beantwortet meine frage, danke!


    ich hatte das buchauch schon in den händen, habe es mir damals allerdings doch nicht gekauft. aber da ich mir vorgenommen habe wieder mehr zu lesen (und ich hoffentlich wieder mehr zeit dazu habe), werde ich es mir wohl doch noch irgendwann zulegen. erst kommt noch robert merle dran und dann vllt...

  • Ich habe das Buch auch, und hatte es vor kurzem wieder in den Händen. Muss es auch mal wieder lesen, weiß gar nicht mehr genau, was alles drin vorkam. Aber ich fand es ziemlich gut. Nur was ich verwirrend fand, war das mit den zwie SÖhnen, die beide Louis hießen?!

    Ich wünsch dir einen Regenbogen, der Hoffnung gibt und Brücken schlägt. Der dich mit sanften Farben durch den grauen Alltag trägt!

  • Du meinst d'Artagnan's Söhne?


    Bei Wikipedia habe ich auch was dazu gefunden:

    Zitat

    Er heiratete 1659 die wohlhabende Witwe Charlotte-Anne de Chanlecy, Dame de Sainte-Croix, jedoch wurde die Ehe bereits 1665 wieder aufgelöst. Seine Frau zog sich auf ihre Güter in Burgund zurück, wo sie 1683 starb. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die beide nach dem König Louis hießen. Louis Comte d’Artagnan (1660-1709) und der zweitgeborene Louis Chevalier d’Artagnan (1661-1714). Letzterer hatte auch einen Sohn Louis Gabriel (1710-1783), Marquis de Castelmore d’Artagnan, der aber keine Nachkommen hatte


    es scheint damals nicht ganz unüblich gewesen zu sein, d'Artagnan selbst teilt sich den Vornamen ja auch mit seinem ältesten Bruder. Ich stell mir das ja schon spaßig vor, wenn du Louis rufst und zwei reagieren, oder auch nicht (es könnte ja der andere gemeint sein).


    Ich find's auch komisch. Gab's damals sowas wie ein Namensrecht? Heute ist das ja streng geregelt. Zwei Kinder mit gleichem Namen geht sicher gar nicht und außerdem muß das Geschlecht eindeutig erkennbar sein, und und und ...


    Wie war das eigentlich damals?


    Mein Buch enthält übrigens einen Auszug aus dem Stammbaum der Batz-Castelmore.


    Gruß
    Astrid

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  • Bei mir ist auch ein Auszug vom Stammbaum dabei.
    Aber das hat mich echt verwirrt, dass die gleich heißen. Ich kann mir auch nciht vorstellen, dass damals schon sowas geregelt wurde. Solche unwichtigen Dinge (was es irgendwie ja schon ist) waren denen egal ;-)

    Ich wünsch dir einen Regenbogen, der Hoffnung gibt und Brücken schlägt. Der dich mit sanften Farben durch den grauen Alltag trägt!

  • also nach dem derzeit amtierenden könig durfte man seine söhne sicher immer benennen, das ist ja sozusagen eine ehre für den könig, wenn kinder nach ihm benannt werden. aber ansonsten könnte es vllt schon die eine oder andere regelung gegeben haben, warum nicht?

  • Tja, auf die Gefahr hin, daß wir OT geraten:



    ursprünglich war im germanischen die Namensgebung eine interessante Sache. Im Prinzip wurden Namen nach der Bedeutung aus zwei Namensgliedern gebildet. Die Namensglieder waren wohl frei kombinierbar. Aber ab dem 4.Jhdt ging es wohl weniger um die Bedeutung als den Klang der Namen.


    Germanische Namen sind auch heute noch gebräuchlich:
    Hel-mut, Wolf-gang, Ger-hart oder Heid-run


    da kommen aber auch die tollen Namen Gottwald oder Ehrentraut her.


    Weiß jemand was über Namenskunde im französischen?


    Astrid

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  • Oder in den Augen des Königs auch eher eine Ehre für die Kinder ;-)


    Bestimmt gab es auch damals Modenamen.


    @Astrid: Deine Infos kann ich bestätigen, aber im Französischen bin ich zu wenig gewandt.

    8-) Ich habe mein ganzes Genie in mein Leben getan; in mein Werk nur mein Talent. 8-) Oscar Wilde

  • Na zum Glück wurden nicht alle 300! Kinder des Herzogs Karl Eugen nach ihm benannt! :-D


    nicht umsonst gibt's Herzogskinder (so lautet der Orts-Neckname eines Stuttgarter Vororts)

    "Es heißt, jedermann soll seinen Preis haben, Gebieter. Manche dieser Preise sind jedoch zu hoch, als daß irgendwer sie zu entrichten vermöchte."
    "Und dein Preis ist so hoch?"
    "Hoch genug, daß niemand außer Euch ihn je zahlen könnte, mein König"

  • Birkach, ist ein Vorort von Stuttgart


    und nein, ich bin kein Herzogskind.

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    "Hoch genug, daß niemand außer Euch ihn je zahlen könnte, mein König"

  • Zitat

    Oder in den Augen des Königs auch eher eine Ehre für die Kinder


    mit sicherheit


    Zitat

    Na zum Glück wurden nicht alle 300! Kinder des Herzogs Karl Eugen nach ihm benannt!


    300? bisschen viel...

  • Naja, ohne zuverlässige Verhütungsmittel und wahrscheinlich etlichen Mätressen ist das wohl zu schaffen. Wieviele waren denn legitim?

    8-) Ich habe mein ganzes Genie in mein Leben getan; in mein Werk nur mein Talent. 8-) Oscar Wilde

  • Ich empfehle euch da mal

    wikipedia

    Carl Eugen (Herzog von Württemberg)


    Legitim ist eine Tochter, anerkannt 77 Söhne, aber es gab sicher noch viel mehr Kinder.


    Übrigens hat sich Carl Eugen beim Ludwigsburger Schloß an Versailles orientiert und in etlichen anderen Dingen auch. Das Machtverhältnis zwischen katholisch und evangelisch wurde zum Politikum, jede Konfession versuchte bei den Hochzeiten der Herrschenden an Einfluß zu gewinnen.

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  • Zitat

    Original von Amazone
    Naja, ohne zuverlässige Verhütungsmittel und wahrscheinlich etlichen Mätressen ist das wohl zu schaffen.


    Biologisch ist das sicher kein Problem. Bei der Anzahl tippe ich aber mal auf Huren und Vergewaltigungen.

  • Zitat

    Dazu kam es gewiss, ob der Herrscher dazu stand ist wohl die andere Frage.


    zu den huren wahrscheinlich noch eher, zu vergewaltigungen mit ziemlicher sicherheit nicht.

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