• Salut,


    In den fünf zusammenhängenden Romanen über die französische Revolution von Dumas ( Die Mätresse des Königs, Der geheime Bund, Das Halsband der Königin, Die Stunde des Henkers und Der Sturm bricht los) kommt ja auch in einer mehr oder weniger wichtigen Rolle Jean Jacques Rousseau vor.
    Ich hatte vorher schon seine Abhandlung über den Einfluss der Wissenschaften auf die Gesellschaft, oder so ähnlich gelesen und nehme mir jetzt seinen "Vom Gesellschaftsvertrag" vor.
    Was meint ihr zu J.J Rousseau? Ich finde seinen Stil, bis auf die ewiglangen Sätze, die aber wohl zu dieser Zeit einfach dazugehören recht gut und dass seine Überlegungen auch heute teilweise noch Gültigkeit haben könnten, faszinierte mich auch.
    Sonst noch wer da, der Rousseau gelesen hat?
    Dumas hatte ja, aus seinem Roman zu schließen, eine recht gute Einstellung zu Rousseau.

  • Also als erstes muss ich sagen, dass ich es ihn noch nie gelesen habe, trotzdem weiss ich das eine oder andere über ihn!! Im Moment lauft ja noch die Umfrage zu den Zitaten und da kam mir ein sehr grossartiges Zitat von Rousseau in den Sinn:Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung!!


    Und wie er da recht hat...*g*

  • Rousseau, herrjeh, wie kann man den freiwillig lesen? :rolleyes: Na gut, alles gibt´s.


    Er selbst "begegnet" mir nur in der Rechtsphilosophie mit seiner Staatstheorie. Da kann ich nur sagen - es gibt Schilmmeres.

  • Ein Mann, der seine Kinder ins Waisenhaus gibt, sich aber dann erdreistet, sich über Erziehungsfragen zu äußern, ist für mich eigentlich von vornherein schon so unten durch, daß ich ihn nicht besonders ernstnehmen kann - ganz gleich, ob er als "großer Denker" gilt oder nicht.

  • Er ist mir mal im Philounterricht über den Weg gelaufen - ich weiß aber nicht mehr so ganz, worum es ging. Er hat seine Kinder ins Waisenheim verfrachtet?

  • Rousseau war doch der weise Mann, der der Auffassung war, alle Menschen hätten von Natur aus denselben Willen. Es gäbe ein natürliches Gutes, nach dem von Natur aus alle Menschen streben und dieses müsse zum Gesetz erhoben werden. Da aber die Menschen durch die Lebensumstände verdorben sind, muß man sie erst, auch mit Gewalt, zu diesem Streben umerziehen.


    Das klingt zwar oberflächlich ganz wohlmeinend, aber wenn ich etwas tiefer schaue, rollen sich mir die Fußnägel auf!
    So eine Philosophie öffnet der Diktatur Tor und Tür:
    eine Partei nimmt für sich in Anspruch, ihr Wille sei der "natürliche" Wille - und jeder, der davon abweicht, ist verdorben oder unnatürlich veranlagt und muß gebrochen oder vernichtet werden.


    Was Rousseau sich da ausgedacht hat, ist das absolute Gegenteil von Aufklärung, Freiheit und Toleranz. Nein, danke! Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint.


    Sorry, aber über den Kerl kann ich mich aufregen.


    Liebe Grüße
    Linda

  • Wenn Du von dem sprichst, was ich da herauslese, dann muss ich Dir widersprechen.


    Zitat

    Rousseau war doch der weise Mann, der der Auffassung war, alle Menschen hätten von Natur aus denselben Willen. Es gäbe ein natürliches Gutes, nach dem von Natur aus alle Menschen streben und dieses müsse zum Gesetz erhoben werden. Da aber die Menschen durch die Lebensumstände verdorben sind, muß man sie erst, auch mit Gewalt, zu diesem Streben umerziehen.


    Rousseau meint, dass die Grundlage jeder rechtsstaatlichen Ordnung die volonté générale ist. D.i. ein alle Lebensbereiche umfassender Zusammenschluß zu einem vernünftigen Gemeinwillen, der die Freiheit des Menschen gewährleistet.
    Vom "natürlichen Guten" ist nicht die Rede. (Zumindest in meinen Skriptennicht.)
    Gesetze dürfen nicht bloße Mehrheitsentscheidungen (volonté de tous) zur Regelung widerstreitender eigennütziger Interessen darstellen. Sie müssen vielmehr dem Glück und der Freiheit jedes einzelnen Bürgers dienen. Womit Dein Argument von der Partei entkräftet sein dürfte.


    Oder spielst Du eher auf den "législateur" an? Der ideale Gesetzgeber, der ausserhalb der Verfassung steht, vielmehr ihr Schöpfer ist, und dessen einziger Akt darin besteht, die grundlegenden Gesetzte dieser Verf. zu erlassen.


    Der ideale Gesetzgeber könnte kein "einfacher Mensch" (also auch keine Partei) sein, weil eben diese nicht von Vernunft geleitet sind und sich va um sich selbst kümmern.

  • Zitat

    Original von xalibur
    Was Rousseau sich da ausgedacht hat, ist das absolute Gegenteil von Aufklärung, Freiheit und Toleranz. Nein, danke! Das Gegenteil von Gut ist Gut gemeint.


    Zustimmung in allen Punkten, Linda! Rousseau gehört meiner Meinung nach der Schiene der Aufklärung an, der wir für gewisse Negativaspekte der ganzen Bewegung zu danken haben - und was ich beim besten Willen nicht verstehe, ist, was der Kerl im Panthéon zu suchen hat...
    Nun gut, wie auch immer - negativ aus meinen zwei Semestern Pädagogik in Erinnerung ist mir vor allem sein "Emile" - besonders was er da über Mädchenerziehung ausgebrütet hat, ist haarsträubend (und erklärt meiner Meinung nach ganz gut, warum er sich selbst mit einer dem Vernehmen nach geistig eher anspruchslosen Frau eingelassen hat - der Mann muß vor intelligenten Frauen eine Heidenangst gehabt haben).


    @Maren: Ja, er hatte, wenn ich mich recht entsinne, fünf Kinder, die er allesamt ins Waisenhaus abgeschoben hat. Und egal, was er sonst noch getan hat - das ist meiner Meinung nach mehr als genug, um den Burschen abzulehnen.


    Und nein - ich sehe das standardmäßig auf diese Bemerkung hin zitierte "man muß doch die Zeit- und Lebensumstände bedenken" *nicht* als ein Argument an, das sein Verhalten, bzw. seine Einstellung rechtfertigen könnte.


    Viele Grüße


    Maike

  • Maike : Das "Emile" macht mich neugierig. Was genau hat er sich denn da vorgestellt, wie man Mädchen erziehen sollte?
    Eigene, anerkannte (zumindest lese ich das so heraus) Kinder ins Waisenheim zu stecken, vor allem in eines der damaligen Waisenheime, wenn meine Vorstellung stimmt, ist wirklich... niederträchtig. Ja, im wahrsten Sinne des Wortes.


    Mist, wenn ich mich nur besser daran erinnern könnte, was ich über Rousseau gelernt habe... Steht er in irgendeiner geistigen Nachfolge zu irgendeinem anderen Philosophen? So wie Selene es schreibt, erinnert mich da sehr an Hobbs und Locke.
    Vielleicht ist er mir auch im Geschi-Unterricht begegnet... Ich hatte irgendeinen Text von ihm zu bearbeiten, das weiß ich noch. Und da ging es, glaube ich, um die Lebenssituation der Menschen auf dem Land und den Brotpreis... Oder über ein gebunkertes Brot, das Rousseau als Gast auf Reisen angeboten wurde... *grübel*
    Ich schau mal in meine alten Unterlagen.

  • @Maren: Wie kommst du denn da auf Hobbes? Locke, ja, der ist ja ebenfalls ein Naturrechtler. Sonstige Gemeinsamkeit wäre nur, dass bei allen dreien ein Naturzustand mit anschließendem Gesellschaftsvertrag vorkommt.

  • Ja, eben. Der eine Souverän, der Gesellschaftsvertrag und die Art, es durchzusetzen. Kann sein, dass ich da was durcheinanderwerfe, aber es klingt doch recht ähnlich.

  • @Maren: Ich habe gerade festgetsellt, dass Hobbes auch ein Vertreter des rationalistischen Naturrechts war. Toll, zwei Tage vor der Prüfung. ;-)
    Du hast schon Recht. Ich habe nur auf die Ausgangssituation im Hobbesschen Naturzustand geachtet und die unterscheidet sich von der Lockes und Rousseaus.

  • Ja, aber Hobbes spricht mir manchmal, bei schlechter Laune, auch aus der Seele: "Der Mensch ist von Natur aus böse." Allerdings sagt er das zur Zeit des 30jährigen Krieges und im Gegensatz zu Rousseau möchte ich hier das Argument "Man muss die Zeit- und Lebensumstände berücksichtigen" doch gelten lassen. ;-)

  • Hi,
    danke für die vielen Beiträge. Ich fands sehr interessant zu sehen, was ihr so denkt.
    Allgemein recht negativ, wie ich das so überblicke.
    Tja, ich habe wie gesagt, nur seine erste Abhandlung gelesen und da fand ich seine Theorien ganz gut. Dass nämlich Luxus und Dekadenz zum Verderben der Menschheit führt. Er muss auch ziemlich gelehrt gewesen sein, denn er bringt allerlei Geschichtliche Beispiele ein.
    Wenn ich euch allerdings so höre, sollte ich meine Einstellung zu Rousseau wohl nochmal überdenken.


    Ja, er hat seine Kinder ins Waisenhaus gesteckt.
    Kommt auch bei Dumas vor. Der rechtfertigt das irgendwie. Ich weiß leider nemme genau wie, denn ich habe das Buch schon wieder zurückgeben müssen.


    Maike : hast du die "Bekenntnisse" gelesen? Da kommt das ja alles vor. Ein netter Mensch war er ziemlich sicher nicht.


    Das war Napoleon allerdings auch nicht ;-)

  • Ich habe R. nur teilenweise gelesen und finde ihn nicht besonders toll. Ich habe somanche seiner Argumente in gesellschaftlichen Debatten wieder zu hören bekommen und ich war meist auf der anderen Seite. Kurz - ich ziehe die Stoa vor. Im Besonderen gefällt mir ihr Konzept der Ataraxie (Unerschütterlichkeit der Seele). Ich empfehle Seneca "Mächtiger als das Schicksal".

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