Gasthaus zum Roten Taubenschlag

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    *Zu Madame*: Ich pflichte Euch bei, auch wenn Eure Worte recht rebellisch klingen. Bedenkt, dass man nicht dem König als Menschen dient, sondern dem Prinzip des Königtums. Und das ist unfehlbar.

    *Zu Aramis*: Seht Ihr? Das gleicht einiges aus ;)

  • Madame*Nun, Monsieur, wenn das Eure Meinung ist...es steht mir nicht zu Euch zu belehren, man soll ja jedem Menschen seine eigene Meinung lassen. Ich sehe das eben nur etwas kritisch. Sagt, Monsieur, was würdet Ihr denn machen, wenn Ihr beispielsweise irgendwann eine Tochter hättet und der König dieser Gewalt antun würde? Würdet Ihr dann weiterhin dem Prinzip des Königtums dienen, weil Ihr es für unfehlbar haltet? Oder wenn ihr einen Sohn hättet, und der König ein Auge auf dessen Verlobte werfen und Eurem Sohn die Heirat verweigern würde weil er sie für sich will? Würdet Ihr dann nicht mit dem Königtum brechen? Glaubt Ihr wirklich dass das Königtum unfehlbar ist, Monsieur? Kein Mensch ist unfehlbar und Könige sind doch auch nur Menschen. Aber wie gesagt, es ist Eure Sache, wenn Ihr an diese Prinzipien glaubt, dann kann wohl auch niemand sie erschüttern.

  • Aramis *stirnrunzelnd* Madame, was jenen Vorfall in der Rue Férou betrifft: Tréville warf uns nicht vor, einen Streit provoziert zu haben, sondern vor der Kardinalsgarde feige geflohen zu sein. Und was das Königtum betrifft: Der König selbst ist nur ein bloßer Mensch und daher wie alle Menschen mit Fehlern behaftet. Doch das Amt, das er bekleidet, ist es beileibe nicht!

    *zu Athos, süffisant* Das Gewicht meiner Unmoral wäre also imstande, das nötige Equilibrium zwischen uns beiden herzustellen? Mon cher Athos, ich wusste schon immer, dass Ihr ein tugendhafter Mann seid, aber dass Eure Tugend so dermaßen schwer wiegt, habe ich nicht vermutet! ;)

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

  • Madame*kopfschüttelnd* Ich frage mich wie Treville auf die Idee kommt, dass seine Musketiere feige sein könnten. Da muss der Kardinal ihm wohl die Geschichte von dem Kampf etwas verzerrt erzählt haben...denn wenn jemand feige ist, dann sind es meistens die Kardinalisten. Was das Amt des Königs betrifft, so vertrete ich die Meinung, dass auch dieses mit Fehlern behaftet ist, da der König als absoluter Herrscher über alle Menschen gilt nur weil er der König ist...ich persönlich finde das doch etwas seltsam...und wieso glauben alle, das Königtum sei von Gott gegeben? In der Bibel steht davon jedenfalls nirgendwo etwas. Die Menschen haben sich wohl schon so an die Monarchie gewöhnt, dass sie sie gar nicht mehr hinterfragen...aber ob das wohl immer so sein wird hier in Frankreich...und in anderen Ländern?

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    Wollt Ihr auf den Scheiterhaufen, madame? Eure Reden sind wahrhaftig brisant. Doch stellt Euch einmal vor, der König wäre nicht mehr, das Königtum dahingefegt - wer würde dann das Land regieren?

    *Zu Aramis* Was denn, Ihr bietet mir die Liebe, ist das keine Tugend? So mag sie Eure Unmoral ebenfalls ein wenig mildern. Was meine Tugend betrifft ... nun, seid nicht Ihr an bester Stelle, um darüber zu urteilen?

  • Madame*Nun, Monsieur, ich muss wohl wirklich vorsichtiger sein. Prag musste ich wegen meiner gewagten Thesen bereits bei Nacht und Nebel verlassen, und in Paris wollte ich mich doch gerne noch ein paar Wochen aufhalten bevor ich weiterziehe. Das ist schon merkwürdig, egal in welches Land man kommt, überall bekommt man Probleme, sobald man etwas gegen das Königtum sagt...aber ich halte einfach nichts von Monarchien. Wenn der König nicht wäre, dann könnte Frankreich eine Republik werden, in der die drei Stände nicht mehr existieren und jeder Mensch gleich ist, in der alle Menschen frei sind den Lebensweg zu wählen den sie möchten. Aber womöglich ist es dafür noch zu früh und die Menschheit ist einfach noch nicht so weit. Aber irgendwann wird es ein Frankreich ohne Monarchie geben, daran glaube ich, auch wenn es heute unwahrscheinlich erscheint.

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    Glaubt Ihr denn, dass der Mensch seinen Weg wahrlich wählen möchte? Welch unglaubliche Verantwortung, welch schwierige Entscheidung - und welch Einsamkeit ...

  • Madame*stirnrunzelnd*Nun, Monsieur, viele Adelige denken so wie Ihr. Als Adeliger habt Ihr ja viele Privilegien oder Vorteile, aber wenn Ihr ein Bauer wärt, dann würdet Ihr gewiss froh sein, wenn Euch andere Möglichkeiten zustünden. Ich bin selbst adelig, aber ich denke trotzdem nicht, dass es gut ist dass es eine Monarchie gibt, weil sie jederzeit einen Tyrannen hervorbringen kann. Viele Adelige sagen sich, dass sie einem Tyrannenkönig auch dienen müssen, weil sie dem Königtum Treue geschworen haben, und genau da liegt der Fehler der Monarchie...sie bietet einem Monarchen einen Freibrief zur Tyrannei. Schaut Euch doch nur mal König Louis an...ein Tyrann ist er nicht, aber er ist nicht fähig zu regieren und lässt sich vom Kardinal lenken wie eine Marionette...somit bietet das Königtum auch machtgierigen Ministern eine gute Möglichkeit ein Land zu regieren. Viele in Frankreich sagen, dass Richelieu im Moment der wahre König Frankreichs ist.

  • Aramis *abermals stirnrunzelnd* Madame, Richelieu waltet seines Amtes als Erster Minister nicht aus Machtgier, sondern weil er buchstäblich der einzige auf diesem sturmgebeutelten Staatsschiff ist, der das Steuer halten kann. Und was die Tyrannei betrifft: Ich denke, auch eine Republik ist durchaus imstande, eine solche hervorzubringen.

    *zu Athos* Nein, mein Freund, es steht mir wahrhaftig nicht zu, mir moralische Urteile anzumaßen. Diese überlasse ich lieber zur Gänze Euch beziehungsweise meinen sittenstrengen Kollegen. ;)

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    Einmal editiert, zuletzt von Aramis (3. Juni 2014 um 08:08)

  • Madame*zu Aramis*Monsieur, ich bezweifle nicht, dass seine Republik imstände ist Tyrannen hervorzubringen, aber in einer Monarchie ist die Gefahr größer, weil Frankreich eine Erbmonarchie ist, in der ein junger Mann, ganz gleich welchen Charakter und welche Fähigkeiten er hat, dieses Land regieren soll. Ich kann die Begeisterung, die die meisten Menschen für die Monarchie empfinden nicht so ganz nachvollziehen, aber Ihr als Musketier müsst wohl für den König sein, er kann sich ja nicht mit Soldaten umgeben, die am Königtum zweifeln. Wie gut dass ich eine Frau bin, ich gäbe nämlich keinen sehr guten Musketier ab, da ich keinen Sinn in der Monarche sehe. Manche Menschen glauben sogar, dass Könige sie durch bloße Berührung von Krankheiten heilen können....Ihr habt als Musketier gewiss auch schon Menschen zurückhalten müssen, die den König unbedingt berühren wollten, wenn er in der Prozession zur Kirche ritt?

  • Manche Menschen glauben sogar, dass Könige sie durch bloße Berührung von Krankheiten heilen können


    Aramis *mit sanftem Lächeln* Tja, glauben sie dies nicht auch von den alten, vertrockneten Reliquien? Das erscheint mir noch bei weitem perverser.

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  • Madame*Ja, Monsieur, ich stimme Euch zu, auch das mit den Reliquien ist absurd, da auch diese, genau wie die Könige keine Heikräfte haben. Aber die Menschen glauben wohl immer an das, was sie glauben wollen, ohne darauf zu kommen, dass es ihnen gar nicht hilft gesund zu werden.

    • Offizieller Beitrag

    Seid Ihr da so sicher, madame? Meint Ihr nicht, dass der Glaube, egal an was oder an wen, eine äußerst starke Kraft sein kann, weitaus stärker als der Geist? Und oft bei Weitem tröstlicher? Wie wäre unsere Welt denn beschaffen, wenn er fehlte? Öd und kahl ...

  • Madame*Nun, Monsieur, gegen Glaube ist durchaus nichts einzuwenden, wenn er nicht von Kirche und Monarchie vorgegeben wird und jeder Mensch selbst bestimmen kann, an was oder an wen er glauben möchte. Aber wer nicht an die Kirche glaubt gilt als Ketzer und wer nicht an den König glaubt als Staatsfeind, eine meiner Meinung nach bedenkliche Tendenz.

  • Aramis *mit hintergründigem Lächeln* Madame, mon cher ami, bitte erlaubt mir, vom Glauben oder Nichtglauben ein wenig abzuschweifen und nochmals kurz auf das Königtum zurückzukommen. Monsieur Bodin bringt dazu in seinen staatstheoretischen Schriften einen hochwirksamen Vergleich: Ebenso, wie ein Schiff ohne Kiel, welcher Bug, Heck und Seitenwände fest und sicher zusammenhält, bloß ein formloser und aus den Fugen geratener Haufen Holztrümmer wäre, der sofort auf Grundeis laufen muss, so kann kein Staat ohne die höchste Regierungsgewalt und Souveränität des Herrschers bestehen. Er ist das alles verbindende Prinzip, das die einzelnen Stände und Parteien zusammenhält.

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  • Madame*Monsieur, aber was ist, wenn ein Schiff einen fehlerhaften Kiel hat? Wenn der König entweder ein Tyrann oder absolut unfähig ist zu regieren? Dann wird dieses Schiff mit Mann und Maus untergehen....und es wird eben wegen diesem Kiel untergehen. Wenn ein König ein Tyrann ist der sein Volk unterdrückt, dann könnte genau dieser König der Kiel sein, der das Schiff zum Sinken bringt. Gerade diese Stände sind es ja, die eine individuelle Entwicklung des Menschen verhindern, denn die meisten werden genau in dem Stand sterben in dem sie geboren wurden...der Sohn eines Bauern wird immer Bauer, so wie der Sohn eines Grafen immer Graf wird. Für den Grafen mag das ja von Vorteil sein, doch für den Bauer sicherlich nicht. Solange es einen König ist, kann sich auch an den Ständen nichts ändern, kann es keinen Fortschritt, keine Aufstiegsmöglichkeiten für alle geben. Es gärt bereits jetzt heftig in den Straßen von Paris...und irgendwann wird dieser Widerwillen des einfachen Volkes gegen das Königtum das Schiff zum Sinken bringen. Das mag noch Jahrzehnte, vielleicht sogar mehr als ein Jahrhundert dauern, aber es wird gewiss geschehen. Monsieur Bodin wurde in einem Karmeliterkonvent erzogen, und vermutlich hat man ihm dort von klein auf zur Königstreue erzogen und daher rührt auch sein Vergleich.

  • Aramis *seufzend* Madame, bitte verzeiht, aber Ihr verwechselt abermals das Prinzip mit der Person. Wie bereits gesagt, der Schiffskiel ist eine äußerst brauchbare Konstruktion, um die Planken eines Bootes fest zusammenzuhalten und das Gefährt damit einwandfrei fahrtüchtig zu machen. Dass es unter den vielen Schiffen, die über unsere Meere segeln, leider auch manch morsche Schaluppe gibt, sei hier nicht bestritten. Doch dies ändert nichts an der Brauchbarkeit des Schiffes per se als funktionierendes Transportmittel. Ebenso verhält es sich auch mit dem Königtum. Es funktioniert eindeutig als staatliches Prinzip. Dass aber die einzelnen Könige diverser Länder ihr hohes Amt ohne Havarie und darauffolgenden Schiffbruch auszuüben imstande sind, dafür müssen königliche Erzieher, Berater und Minister sorgen. Wozu haben wir denn diese Leute? :whistling:

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    Einmal editiert, zuletzt von Aramis (4. Juni 2014 um 17:11)

  • Madame*stirnrunzelnd* Nun, Monsieur, ich sehe schon, es wird mir nicht gelingen, Eure unerschütterliche Überzeugung des Königstums ins Wanken zu bringen. Es ist eben Eure Meinung, ich habe meine und Ihr die Eure. Ich sehe die Sache einfach kritisch. Nach außen hin mag das Königtum ja als staatliches Prinzip funktionieren, doch wenn man sich die Hintergründe dieses ganzen Gebildes anschaut, dann wirkt es alles andere als funktionstüchtig. Und ich bin ja durchaus davon überzeugt, dass es auch Menschen gibt, die von Geburt an das Böse in sich tragen...in so einem Fall könnten Erzieher, Berater und Minister wenig tun um den König auf den rechten Weg zu bringen. Stellt Euch doch nur einmal vor, König Louis würde einen Sohn bekommen, den man durchaus vom Charakter her mit Kaiser Nero vergleichen könnte? Würdet Ihr einem solchen König dienen wollen? In einem Königtum mag es auch gute Zeiten geben, wenn es einen König wie Henri IV gibt, der sagte, dass jeder Franzose sonntags ein Huhn in seinem Kochtopf haben soll, aber es kann auch schlechte Zeiten geben, in denen ein Tyrann die Krone trägt. Und zumindest in England könnte es bald einen solchen Schiffbruch geben, dort stehen die Zeichen auf Revolution...in einigen Jahren bricht dort gewiss der Aufstand aus...und dann möchte ich lieber nicht in König Charles Haut stecken. Und wer weiß, was geschehen wird, wenn die Ereignisse in England dem französischen Volk zu Ohren kommen?

    • Offizieller Beitrag

    Solange das französische Volk besagtes Huhn im Topf hat, wird sich kaum etwas ändern - aber warum auch? Seht doch, wir sind von allen Seiten von Herrscherhäusern bedrängt, lasst unseren König schwach werden und sofort reibt sich der spanische König die Hände. Nein, madame, Ihr ruft zur Revolte auf, aber das wäre ein schlechter Dienst an unserem Land und an unseren Leuten.

  • Eine Revolte gegen den regierenden Herrscher kann durchaus stimulierend wirken, kommt mir vor - aber nur, wenn sie im feindlichen Ausland stattfindet. :D Wie die Leute ja auch gerne im Fenster liegen und grinsend dabei zusehen, wenn das Haus des mit ihnen verfeindeten Nachbarn brennt.

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