schmunzelt* gab es nicht einmal einen Philosophen, der sich in einer Tonne versteckte? Ich glaube er hieß Diogenes oder so ähnlich.
Gasthaus zum Roten Taubenschlag
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*seufzend* Tja. Wieder so ein trauriges Exempel, an das sich jeder erinnert.
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Ach, man erinnert sich doch an ihn vor allem auch wegen seiner Werke, dass er zeitweise in einer Tonne gelebt hat, weiss ja kaum jemand, Monsieur, ich weiss es nur, weil ich ein Buch mit den Lebensläufen verschiedener Philosophen seit der Antike gelesen habe.
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*enerviert* Nein, nein, Madame, dies ist das typische Schicksal aller berühmten Philosophen: Man erinnert sich weit eher daran, in welch abstrusen Verhältnissen sie lebten und was sie zu ihrem Hausknecht sagten, als an das, was sie in ihren herausragenden Werken schrieben!
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*schaut verwundert drein* Das hätte ich wirklich nicht gedacht, Monsieur, dass den Menschen eher die Skandale und das Leben dieser Herren im Gedächtnis bleiben und nicht so sehr die großen Werke. Aber das wird wohl immer so sein, dass die meisten Menschen besondere Antennen für Klatsch und Tratsch haben. Wer weiss, vielleicht wird man irgendwann in ferner Zukunft im Theater die Menschen nicht mehr mit den guten, tiefergehenden Stücken unterhalten, sondern stattdessen seichte Dinge aufführen, die zur Unterhaltung der Massen gedacht sind, aber keine Tiefe mehr haben.
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Jede höhere Gesellschaftsform tendiert unweigerlich zur Dekadenz, nachdem sie den Zenit ihres Daseins überschritten hat!
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*seufzt* ja, da habt Ihr wohl leider Recht. Und es ist interessant zu sehen, wie sich das im Laufe der Geschichte bei allen Gesellschaftsformen wiederholt hat. Aber solange man immer noch ein paar Connaisseure guter Werke trifft, störe ich mich daran nicht, Monsieur. Solange es Menschen gibt, mit denen man über die großen Poeten und Philosophen diskutieren kann, bin ichs zufrieden. Welche Werke habt Ihr denn gelesen? Auch die der griechischen Philosophen?
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*füchsisch* Madame, soll dies hier etwa ein verkapptes Verhör werden? Seid Ihr von höherer Stelle insgeheim beauftragt, indexgemäß verbotene Werke aus ihrem versteckten Bau zu räuchern?

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Nein, keine Sorge, Monsieur, ich bin von niemandem beauftragt worden, meine größte Schwäche, die Neugierde, das Interesse an Literatur und Poesie, treibt mich zu diesen Fragen. Aber ich kann Eure Bedenken durchaus gut verstehen, da es gefährlich sein kann, und von den höheren Stellen oft nicht gerne gesehen wird, wenn man kritische Gedichte schreibt.
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*seufzend* Nun ja, solange man sie bloß niederschreibt und hinterher gleich ins Feuer wirft, geht`s ja noch einigermaßen, mit der Zensur -
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Nun, wenn man sie hinterher ins Feuer wirft, Monsieur, lohnt es sich ja nicht sie niederzuschreiben, denn dann sind sie ja für immer verloren. Das wäre doch schade darum. Besser wäre es, sich ein gutes Versteck dafür zu suchen, wo niemand dahinterkommt. Noch besser wäre es, sie so verschlüsselt zu schreiben, dass man die kritischen Untertöne beim Lesen nicht gleich erkennt...mit Ironie, die kann nicht jeder erkennen. Neulich hat ein Dichter König Louis ein Gedicht vorgetragen, und dieser fühlte sich geschmeichelt, erkannte nicht, dass das dem Herrscher gewidmete Gedicht eine Prise Ironie enthielt und keineswegs so schmeichelhaft war wie Louis dachte.
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- Offizieller Beitrag
Ha, und Ihr sagt, Schreiben würde am Morden und an schlechten Taten hindern und erklärt fast im selben Satz Bücher oder Worte wären eine Waffe? Sie hätten die Macht, die Welt zu verändern? Ja, was nun? wer ist gefährlicher, der, der den Angeklagten - ob zu Recht oder Unrecht sei dahingestellt - mit eigenen Händen henkt oder der, die die Anklageschrift so formuliert, dass er gehenkt wird?
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Bücher und Worte sind eine Waffe, Monsieur, aber es liegt letztendlich in der Hand des Menschen, welchen Gebrauch er davon macht. Bücher können die Welt verändern, zum Guten und zum Schlechten, das liegt daran, was die Menschen aus den Lehren der Philosophen machen. Nicht immer bewirken Bücher positives...soweit ich weiss, hat Richelieu Machiavelles "Der Fürst" gelesen und ist seitdem der Meinung gewesen, dass ein Herrscher seine Macht um jeden Preis durchsetzen muss. Ja, Schreiben kann Menschen am Morden und schlechten Taten hindern, aber es kann auch das Gegenteil bewirken. Aber ich bin dennoch der Meinung dass Bücher etwas Gutes sind, zumindest bewirken sie bei den meisten Menschen Gutes und ich stimme Monsieur Aramis zu, dass es besser ist mit der Feder zu argumentieren als Kriege auf dem Schlachtfeld zu führen, bei denen man seine Gegner ermorden muss.
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ich stimme Monsieur Aramis zu, dass es besser ist mit der Feder zu argumentieren als Kriege auf dem Schlachtfeld zu führen, bei denen man seine Gegner ermorden muss
*augenzwinkernd* Da hört Ihr`s , mein Freund!

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- Offizieller Beitrag
*Nonchalant* Auch Worte können töten, auch Waffen können Leben retten.
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Nun, Ihr habt Recht, eine Waffe kann einem das eigene Leben retten, wenn man in irgendeiner dunklen Gasse angegriffen wird. Und Worte können töten, das stimmt. Der Herzog von Buckingham beispielsweise wurde von einem Mann ermordet, der von einer jungen Frau zu diesem Mord überredet worden war, in diesem Fall waren ihre Worte Buckinghams Tod. Als man das Todesurteil über diesen John Felton sprach, versuchte er sich damit herauszureden, dass die Frau Schuld sei, weil sie ihm solche Lügen über Buckingham erzählt hat, aber Felton wurde dennoch hingerichtet, die Frau hat man niemals gefunden.
zu Aramis*mir gefällt Eure Einstellung sehr gut, sie deckt sich mit meiner, und ich hoffe wirklich, dass Ihr nicht so bald für den König in den Krieg ziehen müsst, ein Poet wie Ihr gehört nicht aufs Schlachtfeld. -
*süffisant* Nun, wenn bloße Worte angeblich noch schärfer wirken als blankgezogene Degen, Musketen und Kanonen, dann sollte man doch wohl zuerst die Poeten allen voran in die Schlacht schicken!
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Nun, Worte sind keinesweges schärfer als Waffen, aber die Kombination von beidem kann sehr tückisch sein...wenn beispielsweise der Kardinal oder ein anderer hoher Herr einem seiner Schergen einen Mordauftrag gibt, dann ist sowohl das Wort tückisch als auch die Waffe die benutzt wird um den Auftrag zu erfüllen, dann wirken Wort und Waffe zusammen.
Nun, man soll die Macht der Worte niemals unterschätzen, zumindest ein Gefecht würde der Poet in jedem Fall gewinnen..das Wortgefecht. -
zumindest ein Gefecht würde der Poet in jedem Fall gewinnen..das Wortgefecht.
Oh, sagt das nicht - die meisten Poeten sind schriftlich weit besser als mündlich - -
Nun, dann formuliere ich es einfach um, dann würden sie wohl eher einen Federkrieg gewinnen.
Wobei es gut ist, dass sie schriftlich besser sind, denn das geschriebene Wort dauert länger fort als das gesprochene, prägt sich meist tiefer ein. -
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