Madame*ja, da habt Ihr wohl Recht, für einen Asketen scheint alles immer nur grau zu sein, so sieht er die ganze Welt, er merkt meist auch gar nicht, dass es seine Askese ist die zu dieser Sichtweise beiträgt, denn da er sich keine Freude gönnt, kann er auch nicht optimistisch denken und die Welt in all ihren Farben sehen. Jemand, der immer nur Haferbrei oder Spinat zu sich nimmt, wird irgendwann verdrießlich werden. Mich fasziniert ja an der Poesie, dass jeder in einem Gedicht etwas anderes sieht, sie bei jedem Leser andere farbige Ölgemälde vor dem inneren Auge erwecken.
Gasthaus zum Roten Taubenschlag
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Athos *augenrollend* Oh, ich versichere Euch, ein Poet kann durchaus zum Asketen werden - lasst ihn nach einer Wendung, einem Wort suchen und er nimmt die Welt nicht mehr wahr. *Zu Aramis* keine Sorge, wir werden es nicht verschieben, weil wir schließlich nicht der Damenwelt angehören *böser Blick zu Porthos*
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Madame*Ja, Monsier, damit habt Ihr wohl Recht, manche Dichter scheinen ständig in anderen Spären zu schweben, in die ihnen niemand folgen kann. Manchen kann man auf die Schulter tippen während sie dichten oder etwas zu ihnen sagen und sie bekommen es gar nicht mit, weil sie völlig in ihrer Dichtung versunken sind.
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Aramis *mit funkelndem Blick* Oh, Madame und mein lieber Freund, zeitweise in anderen Sphären zu schweben und diese philiströse Welt zumindest für kurze Zeit nicht mehr wahrzunehmen, ist durchaus kein Nachteil - wieviele triste Augenblicke bleiben einem dadurch erspart! Dem stürmischen Ritt auf dem Pegasus kommt nichts auf Erden gleich!
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Madame*nickt zustimmend*ja, Monsieur, manchmal ist das durchaus ein Vorteil, sich in andere Sphären zu begeben und wenn man gerne Gedichte schreibt, benötigt man dazu nicht einmal Wein, dann versinkt man einfach völlig und nimmt seine Umgebung nichts mehr war. Das ist eine Gabe, für die Ihr wirklich dankbar sein müsst.
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Das ist eine Gabe, für die Ihr wirklich dankbar sein müsst.
Aramis *nachdenklich* Ich weiß nicht - sollte ein Verrückter für seine Verrücktheit dankbar sein? -
Madame*wie kommt Ihr denn darauf, Ihr wärt verrückt? Nur weil Ihr gerne dichtet seid Ihr doch nicht verrückt!
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Aramis *mit bedeutungsvollem Seitenblick zu Athos* Meint Ihr, Madame? Oh, fragt doch bitte einmal meinen Freund hier, wie er darüber denkt!

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Madame*Nun, Monsieur, Euer Freund dichtet wohl nicht selbst, und Menschen die nicht selbst dichten, verstehen oft nicht, wie schön es sein kann, total selbstvergessen Reime zu schmieden. Vielleicht solltet Ihr Euren Freund einmal mitnehmen, wenn in einem der Salons von Paris ein Dichterwettstreit stattfindet, womöglich kommmt er ja dann auf den Geschmack

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Athos: *entsetzt* Oh Gott! Madame, das könnt Ihr nicht ernst meinen!
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Madame*zu Athos*Monsieur, sie haben dort auch sehr gute Weine, in manchen Salons wird der Genuss der Gedichte durch den Genuss vieler verschiedener Weine untermalt. Das dürfte doch nach Eurem Geschmack sein? Wer weiß, vielleicht findet ihr dann auch Geschmack an der Dichtkunst? Und die Gedichte die dort vorgetragen werden sind meistens wirklich gut. Und Ihr würdet Eurem Freund gewiss eine Freude machen, wenn Ihr ihn einmal begleiten würdet.
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Aramis *liebenswürdig* Madame, Eure Worte sind Musik in meinen Ohren!
d`Artagnan *schnappt sich das letzte Stück von Aramis`Quiche* Ah? Sind das diese gewissen künstlerischen Abendessen, wo man statt einem ordentlichen, saftigen Braten bloß ein paar dürre, schale Gedichte serviert bekommt?
Porthos *brummend* Da kann ich ja gleich zu meiner Herzogin gehen! Dort speist sich`s üppiger!
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Madame*zu Aramis* Ja, Monsieur, Ihr müsst diese Dichterwettstreits in den Salons einfach Eurem Freund einmal schmackhaft machen, und wenn er einmal dort war, will er Euch gewiss immer wieder begleiten, weil er auf den Geschmack gekommen ist. Ich kenne Leute die dort waren, und vorher nichts für Gedichte übrig waren, seitdem aber immer wider hinkommen.
zu d´Artagnan* Nun, es git durchaus auch etwas zu essen, ein paar Appetithäppchen, süß und herzhaft..Perit Fours und Lachshäppchen in Blätterteig und ähnliches...und auch davon kann man satt werden, wenn man genug davon ißt. Und die Gedichte sind keineswegs schal, die meisten sind wirklich künsterlisch sehr wertvoll.
*zu Porthos* Was habt Ihr denn bei Eurer Herzogin bekommen? Womöglich gar Hühnerfüße und Suppe ohne Einlage? -
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Athos *mit schmerzverzerrtem Gesicht* Appetithäppchen. Und dazu Gecken, die sich selbst gern reden hören, am liebsten laut und lang. Nein, madame. So sehr ich die Qualitäten meines Freundes schätze, so sehr würde ich ihm einen schlechten Dienst erweisen, wenn ich ihn zu dergleichen Soiréen begleitete.
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Appetithäppchen. Und dazu Gecken, die sich selbst gern reden hören, am liebsten laut und lang
Aramis *runzelt die Brauen, lehnt sich in seinen Stuhl zurück und kreuzt wortlos die Arme vor der Brust*Porthos *lachend* Na, dann noch lieber Dünnbrühe mit Käserindeneinlage. Bei meiner Herzogin redet wenigstens keiner andauernd beim Essen in Versen!
Aramis *lässt ein ganz leises Knurren hören*
d`Artagnan *kauend* Wuscht ich`s doch. Nein, mein lieber Athosch, Nektar und Ambroschia schind nischtsch für misch!
Aramis *schlägt die Augen nieder, kühl* Woher nehmen die Herren nur ihren seltsamen Verdacht, dass Madame de Rambouillet ihre Gäste Hungers sterben ließe? Mon cher Porthos, mit ihrem opulenten Buffet könnte sie wahrhaftig ein ganzes Regiment ernähren. Und dies beileibe nicht nur mit Hühnergebein und Käse!
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(OT: Danke fürs Reinstellen der neuen Kapitel, ich mache mich gleich ans Lesen
Falls meine INternetverbindung kippen sollte, reviewe ich später vom Internetcafe aus weiter)Madame*zu Porthos*Das glaube ich Euch gerne, dass man bei Eurer Herzogin keine Gedichte über das ESsen schreibt...bei dieser kargen Kost würden wohl keinem Dichter schwärmerische Zeilen einfallen

*zu Athos* Nun, Monsieur, aber der Wein bei Madame de Ramobuillet ist erstklassig, von Malaga bis Bordeaux oder Burgunder und auch italienischen Weinen ist alles dabei. Wäre das denn nichts für Euch?
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Athos *schüttelt den Kopf, ernst*: Nein, madame. In aller Aufrichtigkeit, derartige Veranstaltungen sind nicht nach meinem Geschmack. Man sagt das eine und denkt das andere ...
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Madame*Nun, Monsieur, dann tätet Ihr Eurem Freund wohl auch keinen Gefallen wenn Ihr ihn begleiten würdet....wenn es Euch ja doch keine Freude macht. Euer Freund wird das ja gewiss verstehen, er hätte ja auch nichts davon, wenn Ihr mitkommt und dann nur gelangweilt herumsitzt. Allerdings ist Madame de Rambouillet eine sehr attraktive Dame, alleine dafür gehen viele Herren zu den Dichterlesungen, wäre das denn für euch kein Anreiz? Etwa ein Drittel aller anwesenden Männer ist nur wegen ihr dort und die meisten davon können sich am nächsten Tag an die Gedichte gar nicht mehr erinnern.
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Euer Freund wird das ja gewiss verstehen
Aramis *mit gesenkten Augen und hintergründigem Lächeln* Aber natürlich tue ich das. Ich bin ja Abbé und daher so sanft wie ein Lamm
. Doch Madame, woher wisst Ihr denn, dass sich die meisten männlichen Besucher des poetischen Inhalts eines solchen dichterischen Abends bei Madame de Rambouillet am nächsten Morgen gar mehr nicht entsinnen können? Prüft Ihr die Ärmsten etwa insgeheim ab? 
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Madame*zu Aramis*Nein, Monsieur, ich saß einmal in einem Gasthaus am Nachbartisch, als ein paar von ihnen am Tag nach einer Dichterlesung einkehrten. Sie unterhielten sich ausführlich über Madame Rambouillets Reize und einer sagte zum anderen, dass er sich an die Gedichte gar nicht mehr genau erinnern könne, und nur noch wisse, wie schön tief ausgeschnitten das Dekoltee der Dame war, ein anderer erinnerte sich an ihre dunklen locken, ihre leuchtenden Augen und ihre vollen Lippen, auch dieser wusste nicht mehr, was für Gedichte vorgetragen wurden. Da fragt man sich natürlich schon, ob überhaupt jemand den GEdichten Aufmerksamkeit gezollt hat...wohl höchstens die weiblichen Besucher dieses Abends.
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