Die dunklen Facetten des VdB

  • :huh: Hm, ich frag mich, wie er wohl reagiert hätte, wenn Aramis ihm, anstatt hartnäckig zu schweigen, auf seine insistierenden Fragen in Vaux reinen Wein eingeschenkt hätte. Hätte d`Artagnan entsetzt versucht, ihm den Plan auszureden? Oder hätte er die Gelegenheit beim Schopf gepackt und Aramis geholfen? Ich glaube, Philippe war zu diesem Zeitpunkt schon aus der Bastille befreit und in Aramis`Gemach verborgen, oder irre ich mich da?


    Hier übrigens eine interessante Stelle aus dem Kapitel 260, Les amis de M.Fouquet, die beweist, dass der Jesuitengeneral dem König an Macht überlegen ist:


    — Oui, sire, murmura le mousquetaire, vous étiez le seul homme dont la fortune fût capable de dominer la fortune et la force de mes deux amis. Vous avez usé, sire ; mais vous n’abuserez point, n’est-ce pas ?


    — D’Artagnan, dit le roi, avec un sourire plein de bienveillance, je pourrais faire enlever M. d’Herblay sur les terres du roi d’Espagne et me le faire amener ici vivant pour en faire justice. D’Artagnan, croyez-le bien, je ne céderai pas à ce premier mouvement, bien naturel. Il est libre, qu’il continue d’être libre.


    — Oh ! sire, vous ne resterez pas toujours aussi clément, aussi noble, aussi généreux que vous venez de vous le montrer à mon égard et à celui de M. d’Herblay ; vous trouverez auprès de vous des conseillers qui vous guériront de cette faiblesse.


    — Non, d’Artagnan, vous vous trompez, quand vous accusez mon conseil de vouloir me pousser à la rigueur. Le conseil de ménager M. d’Herblay vient de Colbert lui-même.


    — Ah ! sire, fit d’Artagnan stupéfait.

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    3 Mal editiert, zuletzt von Aramis ()

  • ;(;(;( Ich meinte diese Stelle hier, die ist für mich einfach zum Heulen... größere Hilflosigkeit angesichts des Todes, den man noch dazu selber verschuldet hat, gibt es nicht.



    La nuit était arrivée, la lune n’était point encore venue, et cependant Aramis regardait opiniâtrement du côté de Belle-Isle. Yves s’approcha alors du commandant, qui était revenu prendre son poste à l’arrière, et, bien bas, bien humblement :


    — Quelle route suivons-nous donc, capitaine ? demanda-t-il.


    — Nous suivons la route qu’il plaît à Monseigneur, répondit l’officier.


    Aramis passa la nuit accoudé sur le bastingage.


    Yves, en s’approchant de lui, remarqua, le lendemain, que cette nuit avait dû être bien humide, car le bois sur lequel s’était appuyée la tête de l’évêque était trempé comme d’une rosée.


    Qui sait ! cette rosée, c’était peut-être les premières larmes qui fussent tombées des yeux d’Aramis !


    Quelle épitaphe eût valu celle-là, bon Porthos ?

  • Die meinte ich auch - er ist durchaus zu Gefühlen fähig und bereut ehrlich, was er angerichtet hat. Aber das mit dem Jesuitengeneral verstehe ich nicht:

    — D’Artagnan, dit le roi, avec un sourire plein de bienveillance, je pourrais faire enlever M. d’Herblay sur les terres du roi d’Espagne et me le faire amener ici vivant pour en faire justice. D’Artagnan, croyez-le bien, je ne céderai pas à ce premier mouvement, bien naturel. Il est libre, qu’il continue d’être libre.

    hier meint man eher, dass der König die Macht hat, über Aramis zu bestimmen?

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Colbert weiß durch die Duchesse de Chevreuse über Aramis` besonderen Status Bescheid, und er rät dem König, wie dieser in der zitierten Stelle d`Artagnan gegenüber erwähnt, davon ab, den Bischof zu verfolgen. Colbert weiß also, dass der König dem Ordensgeneral unterlegen ist, sonst würde er ihm nicht raten, seinen Feind in Frieden zu lassen.

  • Aramis


    Ja, diese Verfilmung kenne ich, die fand ich sehr gut :thumbsup:
    Der war besser als der DiCaprio Film, das mit der Affaire von d´Artagnan und KÖnigin Anna im Film fand ich gar nicht gut. X(


    Ich hatte diesen Film schon als Teenager gesehen, lange bevor ich den Roman las, und als ich dann den Vdb las, dachte ich immer "Wieso gibt es im Roman gar keine Szene mit der Königin und d´Artagnan?" und dann wurde mir klar, dass sich da Hollywood einfach nicht an den Roman gehalten hatte. :whistling:
    Ich finde das immer schrecklich, wenn Produzenten von Musektiefilmen meinen, es müsste im Film unbedingt eine Szene mit einem Musketier der die Königin liebt, geben. :cursing:


    Oh schön, hab gerade gesehen, du hast weihnachtliche FFs geschrieben, die werde ich gleich nächste Woche lesen :)


    Heute komme ich leider nicht mehr dazu, habe morgen frei und fahre heute abend übers Wochenende zu meinen Eltern. Aber Montag oder Dienstag werde ich mir diese Kapitel gleich vornehmen, freue mich schon darauf :)

  • :thumbup: Ich mag den Chamberlain-Film ganz gern, trotz seiner literarischen und historischen Schwächen, und Richard Chamberlain gefällt mir als Philippe hundertmal besser als dieses Bürschchen DiCaprio :thumbdown:


    Bezüglich FFs: :whistling::whistling::whistling::whistling: Ich hab zur Zeit so ein inneres Bedürfnis nach Weihnachtsidylle, weiß nicht, warum. Deshalb die 3 Geschichten...

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    Einmal editiert, zuletzt von Aramis ()

  • Ah, ok, deswegen. Also ich meinte das mit dem Jesuitengeneral. Aber stimmt das auch? Ich meine, Aramis untersteht der Macht der Kirche, letztlich des Papstes, aber das, was er da vorhat, ist ja Hochverrat - davor kann doch eigentlich kein Papst die Augen verschließen? Wenn Louis es wirklich wollte, hätte er ihn meiner Ansicht nach belangen können, aber es hätte eben Aufsehen gegeben, das für ihn, den König, kaum von Vorteil gewesen wäre. Deswegen Colberts Rat ...oder?

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Hm, der Papst scheint bei Dumas bloß eine Marionette des Ordensgenerals zu sein...
    Ja, dass Aramis im Besitz des Staatsgeheimnisses war, lieferte natürlich einen weiteren Grund für Colbert, ihn ungeschoren zu lassen, denn Aramis würde sicher das Geheimnis des Königs vor Gericht preisgeben und mit Hilfe seines Ordens sofort international ausposaunen, wenn man ihn gerichtlich verfolgte. Obwohl - wer konnte garantieren, dass er in Spanien den Mund hielt? Eigentlich hätte Aramis den französischen König mit der Preisgabe des Geheimnisses zum Vorteil Spaniens unter Druck setzen oder einen Krieg zwischen Spanien und Frankreich anzetteln können, um Philippe zu befreien und auf den Thron zu bringen. Damit hätten Spanien und Österreich einen dankbaren Monarchen auf dem französischen Thron. Ich find`s daher seltsam, dass er in dieser Sache von Spanien aus nichts mehr unternimmt. Louis weiß nun über seinen Bruder Bescheid und könnte als Verbrecher wider das sang royal gebrandmarkt werden - vorher, als er noch nichts über seinen gefangenen Bruder wusste, konnte er sich als unschuldig betrachten. Doch jetzt ist er eingeweiht und schickt seinen Bruder dennoch ins Gefängnis. Okay, Philippe hat dem Königstausch zugestimmt, ist also ein Usurpator, der seinen königlichen Bruder stürzen wollte. Aber der Thronanspruch müsste vor seiner neuerlichen Inhaftierung einwandfrei geklärt werden, und das umgeht Louis, indem er seinen Bruder einfach wieder inkognito im Kerker verschwinden lässt. Ich weiß nicht, wie das feindliche Ausland, z.B. Spanien und Österreich, darauf reagierte, wenn das, aufgerüstet mit entsprechender Propaganda, international bekannt würde...nach der Hinrichtung von Louis XVI drohte man jedenfalls, in Frankreich einzumarschieren und Paris dem Erdboden gleichzumachen, wenn ich mich richtig erinnere...

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    2 Mal editiert, zuletzt von Aramis ()

  • Eindeutig - Aramis säße am längeren Hebel- Aber ... womit beweist er es, wenn alle es verleugnen? Die Ähnlichkeit? KAnn zufällig sein. Wenn ich mich recht erinnere, sind diese Amme und ihr Mann schon tot, die sich um Philippe kümmerten, oder?

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Ja, die beiden sind tot. Aber die Königinmutter lebt, und wenn sie immer noch hartnäckig schweigt, auch wenn alle Zeichen auf Sturm stehen, dann lässt Aramis sie und Louis via Papst exkommunizieren. Einem exkommunizierten Herrscher braucht kein Untertan mehr zu gehorchen.


    Das bringt mich jetzt auf das Verhältnis zwischen Philippe und Aramis, und wenn ich mir anschaue, wie sich das entwickelt, dann kommt mir der Verdacht, dass Philippe für Aramis bloß ein willkommenes Vehikel zur Macht darstellt. Für Philippe jedoch ist Aramis sein Mentor, sein Vater im Geiste, und er vertraut ihm vollkommen, doch Aramis lässt seinen Schützling sofort fallen und rührt keinen Finger mehr für ihn, als dieser ihm nicht mehr nützen kann. Dabei ist nicht Philippe sondern Aramis selbst schuld am Scheitern seines Plans, weil er so dumm ist, Fouquet einzuweihen. Das Charakterbild, das sich da abzeichnet, ist echt ekelhaft, und das werde ich Dumas auch nicht verzeihen: Aramis als dämonischer Verbrecher, der in einem plötzlichen Anfall von geistiger Umnachtung sein eigenes Werk und den, der ihm vertraute, dem Untergang preisgibt. Ja, schon klar, Dumas wollte die historischen Tatsachen berücksichtigen, aber dann hätte er Philippe gleich im Gefängnis lassen können.

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    5 Mal editiert, zuletzt von Aramis ()

  • Bei Licht betrachtet: Stimmt :whistling: Er hätte wenigstens mit Philippe in den Untergang gehen können ... da hätten ihn dann Porthos & Athos wieder rausgehauen, mitsamt Philippe 8o

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • :thumbup::thumbup::thumbup: Ja, alle für einen, oder in diesem Fall für zwei! :rolleyes:


    Hm, ich frag mich, was passiert wäre, wenn Aramis geblieben wär. Hätte er die Königinmutter zur Rede gestellt und ihr ihre Missetat vorgeworfen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er ihr stumm dabei zugesehen hätte, wie sie bloß ächzend im Fauteuil hängt. Ja, er hätte Porthos reinen Wein einschenken, ihn zu Athos schicken und sich zusammen mit Philippe von d`Artagnan verhaften lassen können - da wäre dann die große Stunde unseres Gascogners gekommen, indem er seinem Freund und Philippe zur Flucht verhilft :rolleyes: . Aber dieser ganze Plan mit dem Königstausch ist sowieso total verkorkst, von Anfang an. Selbst wenn Fouquet den Mund gehalten hätte, die Königinmutter und die La Vallière hätten sich sicher nicht auf Dauer täuschen lassen. Das Ganze wäre vermutlich sowieso über kurz oder lang aufgeflogen, und was dann?

    Troja stand in Flammen. Alles war im A**** (Homer, Ilias, 1. Versuch)

    2 Mal editiert, zuletzt von Aramis ()

  • Gemeinsame Überlegung: Wie kommen wir aus der Sache wieder raus? Ein Ko-König? 8o Eine Abfindung? Eine Beratertätigkeit? Ich denke, es hätte Mittel und Wege gegeben, Philippe am Hofe zu halten, der Gute wollte ja nix anderes, als aus dem Gefängnis raus. Wenn sich die beiden Brüder besprochen hätten, hätte Philippe Louis sicher als Kanzler oder was auch immer zur Seite gestanden...

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Ich denke, es hätte Mittel und Wege gegeben, Philippe am Hofe zu halten


    Ja, das denke ich auch. Z.B. als Schirmherr von irgendeiner königlichen Akademie, wenn er wissenschaftlich oder künstlerisch interessiert ist, oder er wird Botschafter, oder er bekommt ein Regiment. Er hätte sich auch, wie der spanische Kardinalinfant, der Kirche zuwenden und Erzbischof von Paris oder was immer werden können, Aramis hätte ihm da sicher die Wege geebnet. Oder er hätte Vizekönig in den Kolonien werden können. Dann hätten die Leute dort gleich das lebende Abbild des französischen Königs vor sich, damit sie in den kanadischen Wäldern ihren Souverän nicht komplett vergessen 8)

  • Oder er hätte Vizekönig in den Kolonien werden können. Dann hätten die Leute dort gleich das lebende Abbild des französischen Königs vor sich, damit sie in den kanadischen Wäldern ihren Souverän nicht komplett vergessen 8)


    :thumbsup: Ist Louis eigentlich blöd? Warum hat er nicht daran gedacht???

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Ist Louis eigentlich blöd?


    :evil: Ja, ist er. Wird Zeit, dass er mal ein bissl was dazulernt! ;) Allein schon, wie er in dieser gewissen Erkennungsszene aus dem Zimmer rauscht, wie eine schmollende Mimose, als wäre er persönlich beleidigt worden! Fehlte nur noch, dass er vor Zorn losgeheult hätte! Wie kann man sich nur unterstehen, so auszusehen wie er! Wo er sich doch für ein so einzigartiges, schier göttliches Wesen hält! Grrr, und solche Eitelkeit wird von Dumas ungeschoren gelassen, man fasst es nicht! X(

  • Grrr, und solche Eitelkeit wird von Dumas ungeschoren gelassen, man fasst es nicht!

    Ach, geh' mal nicht allzu streng mit Dumas ins Gericht - er konnte einfach die Historie nicht so gründlich umschreiben. Immerhin musste er seine Werke verkaufen, er musste davon leben . . . da macht man so manchen Kompromiss! Wer weiß, was er sich ausgedacht hätte, wäre er wirtschaftlich unabhängig gewesen.

  • Oh, er hätte, Historie hin oder her, Louis und seiner lieben Mutter durchaus ein paar heftige Alpträume bescheren können, infolge unterdrückter Gewissensbisse! :evil: Aber nix, der König macht einfach hochgemut weiter wie bisher, und Philippes Schicksal kümmert ihn nicht die Bohne. Dasselbe gilt für d`Artagnan. Gerade der sollte doch vor heimlichen Schuldgefühlen schier vergehen! Aber er ist charakterlich ein durchtriebener und im Grunde skrupelloser Kerl, ebenso wie Louis, da haben sich zwei gefunden. Und der König vertraut ihm ja wohl nicht einfach so.

  • D´Artagnan hat keine Gewissensbisse, weil er seinen Job macht - er hat ja dem jetzigen König Treue geschworen, der andere ist für ihn ein Imposteur ...

    Wenn es morgens um sechs an meiner Tür läutet und ich kann sicher sein, dass es der Milchmann ist, dann weiß ich, dass ich in einer Demokratie lebe (W. Churchill)

  • Neu erstellte Beiträge unterliegen der Moderation und werden erst sichtbar, wenn sie durch einen Moderator geprüft und freigeschaltet wurden.

    Die letzte Antwort auf dieses Thema liegt mehr als 365 Tage zurück. Das Thema ist womöglich bereits veraltet. Bitte erstelle ggf. ein neues Thema.